Asia Transfer · Einblicke
"Taiwan Travelogue" von Yang Shuang-zi
Ja, Yang Shuang-zi hat den International Booker Prize 2026 für ihr Buch "Taiwan Travelogue" bekommen! Die Gratulation kommt von Herzen!

Laut Booker Prize ist es das erste aus dem Mandarin übersetzte Buch, das diesen Preis gewonnen hat.
Worum geht es? Der Roman spielt 1938 im von Japan kolonisierten Taiwan. Eine japanische Schriftstellerin reist über die Insel, offiziell auf Vortragsreise, tatsächlich aber auch auf kulinarischer Entdeckungstour; begleitet wird sie von ihrer taiwanischen Dolmetscherin, zu der sie eine immer engere, aber von Machtgefällen geprägte Beziehung entwickelt.
Warum lesen? Weil das Buch etwas schafft, was selten gelingt: Es erzählt leicht, sinnlich und zugänglich über Essen, Reisen und Begehren und öffnet dabei einen scharfen Blick auf Kolonialismus, Sprache, Übersetzung und Identität. Der konkrete Nutzen: Man versteht Taiwan nicht nur als geopolitischen Brennpunkt von heute, sondern als historisch vielschichtigen Ort, dessen Vergangenheit bis in aktuelle Fragen von Zugehörigkeit und Macht hineinwirkt.
Was weiß man über die Autorin?
Yáng Shuāng-zǐ ist eine taiwanische Autorin, die neben Romanen auch Essays, Manga, Videospieltexte und Literaturkritik schreibt. Taiwan Travelogue ist ihr erstes Buch, das ins Englische übersetzt wurde; zuvor gewann es bereits 2024 den US-amerikanischen National Book Award for Translated Literature und den Baifang Schell Book Prize. In einem Booker-Interview sagt sie, sie habe mit dem Roman die komplizierte Erinnerung Taiwans an die japanische Kolonialzeit aus heutiger taiwanischer Perspektive ausloten wollen.
Warum hat sie den International Booker bekommen?
Die Jury lobte genau diese Doppelbewegung: Taiwan Travelogue funktioniere zugleich als „köstliche“ Liebesgeschichte und als scharfsinniger postkolonialer Roman. Besonders stark ist die Form: Der Roman gibt sich als wiederentdeckter Reisebericht aus, arbeitet mit Fußnoten, Nachworten und Übersetzungsebenen und macht so erfahrbar, dass Geschichte nie einfach erzählt wird, sondern immer durch Sprache, Macht und Perspektive gefiltert ist.
Ich wünsche Ihnen angenehme Lesestunden:
